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am 6. März

Schule 4.0 – Gute Initiative mit Schönheitsfehlern

Felix Hofstadler - Warum IT und neue Medien wichtige Zukunftsthemen in der Schule sind - Gratis-Tablets für Schüler_innen aber die falsche Maßnahme.

Die Bildungsministerin nimmt sich der digitalen Inhalte an. Das soll schon in der Volksschule starten. Ein guter Ansatz. Unkenrufe, die meinen die Schüler_innen sollen lieber (nur) lesen und schreiben lernen, greifen zu kurz. Elektronische Geräte, digitale Medien und soziale Medien sind ein wichtiger Teil der Lebensumwelt der Kinder – auch in der Grundschule.

Kompetent und informiert mit diesem Thema umzugehen und die entsprechenden Kompetenzen und das altersgemäße Hintergrundwissen zu besitzen, ist wichtig und soll schon in der Grundschule vermittelt werden. „Wie funktioniert ein elektronisches Gerät?“, „Was ist ein Programm?“ „Was ist Privatsphäre?“ sind Fragen, die Kinder und Jugendliche beantworten können sollen. Dass das Thema nun flächendeckend, und nicht nur für einzelne Projektstandorte angegangen werden soll, kann bei guter Umsetzung Chancengleichheit fördern.


Kinder fördern statt Tabletproduzenten!

Völlig in die falsche Richtung geht allerdings der Plan, Schüler_innen mit Tablets oder Notebooks auszustatten. Tablets sind keine Arbeits- sondern Spielgeräte. Auch Notebooks sind nicht in Klassenstärke sinnvoll. Der massenhafte Ankauf dieser Geräte dient höchstens der Gewinnmaximierung des jeweiligen Herstellers. Eine frühe Gewöhnung an bestimmte Marken ist da noch ein weiteres Problem.

Es gibt Situationen, wo Tablets z.B. für Kinder, die aufgrund einer Behinderung oder Entwicklungsverzögerung Kommunikationsschwierigkeiten haben, gute Unterstützung bieten. Das spricht für zielgerichteten, individuellen Einsatz neuer Technik, aber nicht für „Tablets aus der Gießkanne“.


Freie Arbeit in kleinen Gruppen ist besser als Laptopunterricht frontal.

Computer-literacy und digitale Kompetenzen kann man ohne „ein Gerät pro Kind“ hervorragend vermitteln:
Wiener Volksschulen sind beispielsweise mit zwei PCs pro Klasse ausgestattet. In einem zeitgemäßen Unterricht, der freie Arbeit und Planarbeitsphasen beinhaltet, können die Kinder in Kleingruppen Computer-unterstützt arbeiten. Übungsreihen zu Mathematik, Lesen, Deutsch, Recherchen zu Sachthemen, Coding begleitete Erfahrungen mit sozialen Medien sowie selbstbestimmter, bewusster Umgang mit persönlichen Daten kann hier geübt werden.

Laptop- und Tabletklassen, in denen über Kontrollprogramme erst wieder frontal durchgepaukt wird, braucht es dafür nicht.

Die Initiative Schule 4.0 hat viele tolle Ansätze. Gute Weiterbildung der Lehrer_innen und die tiefere inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema sind das Gebot der Stunde.

PS.: Schön, dass zuletzt nicht nur das Thema Schule 4.0 in den Medien war, sondern auch die BIFIE-Direktorin Schreiner mit einer guten Analyse aufhorchen ließ: "Es wird nicht geschaut, ob die Schule für das Kind passt, sondern ob die Kinder in die Schule passen." – Genau!

Bauen wir die Schule so um, dass sich die Schule an die Kinder anpasst. Und zwar an ALLE Kinder, egal welche Bedürfnisse sie haben.

Felix Hofstadler führt seit vielen Jahren schulische und außerschulische Projekte zu Coding, Arbeiten mit digitalen Medien, Robotik und Computerunterstütztem Lernen durch.