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am 25. Mai

Gegen das Vergessen: Widerstand 1938 - 45: Marie Sip

Marianne Geets, Julia Nowotny - Anlässlich des Gedenkjahres stellen wir regelmäßig Menschen vor, die teilweise unter lebensbedrohlichen Umständen Widerstand geleistet haben. Besonders hervorheben wollen wir dabei Frauen, die einen besonderen Bezug zum 15. Bezirk haben und die – wie so oft – gerne vergessen werden. Heute stellen wir Marie Sip vor.

STILLE HELDINNEN


Eine weitere Person, die wir im Rahmen unserer Reihe "Gegen das Vergessen: Widerstand 1938 - 1945 vorstellen möchten, ist Marie Sip. Wahrscheinlich ist sie  - wie auch uns vor unserer Recherche  - nur den Wenigsten bekannt und somit teilt sie das Schicksal mit unzähligen Frauen, die sich tapfer und vehement gegen das Nazi-Regime gestellt haben und diesen Einsatz oftmals mit dem eigenen Leben bezahlt haben. Und damit nicht genug sind es vor allem weibliche Personen, die sich im Widerstand engagiert haben nach dem Krieg schnell in Vergessenheit geraten sind. Während man über Männer im Widerstand doch viele Informationen findet, erfordert es teilweise akribische Genauigkeit und eine nicht geringe Portion Durchhaltevermögen, will man etwas über ihre weiblichen Gesinnungsgenossinnen erfahren.

KPÖ MITGLIEDSCHAFT ALS VERBRECHEN


Die gebürtige Niederösterreicherin Marie Sip lebte in der Mariahilferstr.158/2/68 und arbeitete als Apothekerhelferin in der Apotheke Maria vom Siege. Sie war Mitglied der KPÖ.
Von April bis Juli 1942 initiierten Spitzel der Gestapo ein neues Leitungsgremium der KPÖ:
„Die gesamte kommunistische Bewegung in Österreich war in einem kaum vorstellbaren Ausmaß von Konfidenten durchsetzt, wobei der Infiltrationsgrad mit der personellen bzw. organisatorischen Nähe zu zentralen, meist von Auslandsemissären gegründeten Leitungsinstanzen erheblich zunahm. Dies gilt insbesondere für das (seit der Annexion Österreichs 1938) dritte, bis Januar 1941 existierende Zentralkomitee. Von den 1507 Personen, die im Jahr 1941 wegen kommunistischer Betätigung im Bereich der Gestapo-Leitstelle Wien verhaftet wurden, waren (nach Berechnungen des Verf.) etwa 700 bis 800 direkt oder indirekt dem Konto von nur zwei Spitzeln zuzuschreiben. 1942 ging die Wiener Gestapo indes noch einen entscheidenden Schritt weiter. Sie unterwanderte nicht nur – in unterschiedlichem Ausmaß – die bestehenden Organisationen, sondern hatte maßgeblichen Anteil an der Gründung eines neuen Leitungsgremiums, des vierten Zentralkomitees der KPÖ, das in der kurzen Phase seiner Existenz (April bis Juli 1942) rege organisatorische Aktivitäten entfaltete.“ (https://kommunismusgeschichte.de/jhk/jhk-2016/article/detail/das-4-illegale-zentralkomitee-der-kpoe-1942-ein-konstrukt-der-wiener-gestapo/​ )​

STILLER TOD


Am 17.7.1942 wurden sie und andere Mitglieder der Widerstandsgruppe verhaftet.
Es nützte Maria Sip nichts dass sie in erster Linie ihre Wohnung zur Verfügung stellte ohne an den
Besprechungen teilzunehmen und bei Bedarf Kontakte zwischen den Funktionären hielt.
Der Prozess fand am 7.2.1944 statt, nur zwei Monate später, am 7.4.1944, wurde sie hingerichtet.
http://www.doew.at/result?id=652041&cat=1​)​
Aktenzahl DÖW: 00011a

Literatur:
Schafranek, Hans, Widerstand und Verrat. Gestapospitzel im antifaschistischen Untergrund
1938–1945
Erschienen Wien 2017: ISBN 978-3-7076-0622-5