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am 10. August

Roland-Rainer-Platz

Lisz Hirn - Wir vergessen nie! - Zusatztafeln für historisch belastete Straßennamen

Die von der Stadt Wien beauftragte Historiker_innen-Kommission untersuchte 2013 4.300 personenbezogene Wiener Straßennamen. Daraufhin stufte die Historiker_innen-Kommission an die 170 als historisch belastet ein. Für diese hat die Stadt Wien Zusatztafeln erarbeiten lassen, die historisch korrekt und verständlich sind und „… den verharmlosenden Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, der insbesondere in den Nachkriegsjahrzehnten gepflegt wurde“, aufzeigen sollen, so der Kultursprecher der Grünen Wien, Martin Margulies.
Wermutstropfen: Der 15. Bezirk wurde dabei bisher nicht berücksichtigt. Es gibt jedoch auch in Rudolfsheim-Fünfhaus Orte, die Namen historisch belasteter Personen tragen. Einer davon ist der Platz vor der Wiener Stadthalle, benannt nach dem Erbauer und Stadtplaner des „roten“ Wien, Roland Rainer, der 1938 in Berlin Mitglied der NSDAP wurde und angeblich bereits seit März 1936 illegales NSDAP-Mitglied im vom austrofaschistischen Ständestaat regierten Österreich war. Nach der nationalsozialistischen Programmatik richtete Rainer auch seine Arbeit als Architekt bis 1945 aus. 2006 wurde der Platz vor der Wiener Stadthalle Roland-Rainer-Platz genannt.

Der am 18. 6. 2015 gestellte SPÖ-Antrag, der für eine Zusatztafel am Roland-Rainer-Platz plädierte, war also mehr als überfällig. Der Antrag wurde der Kulturkommission zugewiesen und schließlich von der MA 8 durchgearbeitet, ein Textvorschlag geschrieben und – wieder vergessen. Erst auf unsere Nachfrage wurde das Papier mit mehr als einem Jahr Verspätung in der Kulturkommission diskutiert. Der Vorschlag der MA 8 war ein skandalös verharmlosender Text, der Rainer eher als Opfer als als Tätigen im Dienst des Nationalsozialismus darstellte. Mithilfe der Expertise des Historikers Rudi Leo haben wir daher einen alternativen Textvorschlag für eine historisch korrekte Zusatztafel erstellt. Unser Text machte unmissverständlich klar, dass hier eine prominente Person im Mittelpunkt steht, deren Vergangenheit alles andere als „harmlos“ ist und nicht vergessen werden soll. Leider, aber nicht überraschend, wurde unser Vorschlag von SPÖ und FPÖ abgelehnt.

„Rainer wurde mit 1. 5. 1938 rückwirkend als Mitglied der NSDAP aufgenommen. Seine Arbeiten propagierten die biologisch-rassistische Diktion der NSDAP. Rainer untersuchte u. a. Zusammenhänge zwischen „Rasse und Wohnform“. Nach 1945 geriet Rainers NSDAP-Vergangenheit in Vergessenheit.“​