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am 30. Oktober 2017

Ab heute arbeite ich gratis

Maxie Klein - Heute ist der Wiener Equal Pay Day. Später als im Rest von Österreich, aber immer noch zu früh.


Heute ist in Wien Equal Pay Day. Für ganz Österreich war er am 13. Oktober, für Rudolfsheim-Fünfhaus ist er erst am 28. November. Der Equal Pay Day ist jener Tag an dem Männer durchschnittlich so viel verdient haben, wie Frauen im ganzen Jahr verdienen werden. Je geringer die durchschnittlichen Einkommen, desto später der Equal Pay Day, weil dadurch auch die Differenz zwischen Männern und Frauen sinkt.

Verbesserungen in kleinen Schritten

Frauen verdienen in Vollzeitberufen immer noch durchschnittlich um 21,7% weniger als Männer. Die Fortschritte bei der Bekämpfung der Einkommensunterschiede passieren langsam, aber es gibt sie. „Ich möchte daran erinnern, dass wir vor zehn Jahren den Equal Pay Day noch im September, konkret am 27.9., begehen mussten. Zehn Jahre später sind es „nur“ mehr 2,5 Monate, die Frauen hierzulande gratis arbeiten“, sagt etwa Berivan Aslan.

Die Grüne Frauensprecherin macht die amtierende Regierung und die Sozialpartner für die zähe Gleichstellungspolitik verantwortlich. „Die aktuelle Legislaturperiode war in punkto Gender Pay Gap ein verlorenes halbes Jahrzehnt. Notwendige Reformen bei den Einkommensberichten fielen dem ewigen Hick-Hack der Regierungsparteien zum Opfer. Die Anrechnung der Pflege- und Karenzzeiten in den Kollektivverträgen schritt nur halbherzig voran, ganz zu schweigen von der Bereinigung der Kollektivverträge von versteckten Diskriminierungen. Rein gar nichts wurde zum Thema ‚Führen in Teilzeit‘ und qualifizierte Teilzeit unternommen“, kritisiert Aslan. Die knapp vor den Wahlen beschlossene Frauenquote für Aufsichtsräte über 30 Prozent bezeichnet Aslan als „als zu spät und zu niedrig. Im internationalen Vergleich hinken wir ein ganzes Jahrzehnt hinterher“.

Die Lösungen liegen auf der hand

Um die Gehaltsunterschiede effektiv zu bekämpfen, braucht es eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Unternehmen - Stichwort Einkommensberichte -, eine monetäre Neu- und Aufwertung von klassischen ‚Frauenberufen‘ und mehr Teilzeitjobs mit höherem Stundenausmaß und höheren Qualifikationsanforderungen. Auch strukturelle Maßnahmen wie einr allgemeinen Arbeitszeitverkürzung sollten angedacht werden, um Erwerbsarbeit aber auch die Gehälter gerechter zwischen den Geschlechtern zu verteilen.

„Das von der Bundesregierung vor zehn Jahren aufgestellte Gleichstellungsziel, wonach im Jahr 2020 die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern Geschichte sein sollen, hat sich als frommer Brief ans Christkind entpuppt“, ist Aslan enttäuscht und fordert: „In der nächsten Regierung muss die Bekämpfung der Einkommensunterschiede endlich Chefinnen-Sache werden“.