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am 22. April

Gegen das Vergessen: Widerstand 1938 – 1945. Ernestine Diwisch

Marianne Geets - Anlässlich des Gedenkjahres stellen wir regelmäßig Menschen vor, die teilweise unter lebensbedrohlichen Umständen Widerstand geleistet haben. Besonders hervorheben wollen wir dabei Frauen, die einen besonderen Bezug zum 15. Bezirk haben und die – wie so oft – gerne vergessen werden. Wir stellen vor: Ernestine Diwisch, deren Namen der Park zwischen Grimm- und Braunhirschengasse trägt.

Gerade in Zeiten wie diesen wird es einmal mehr bewusst wie wichtig es ist, entschieden
gegen Ungerechtigkeiten, Brutalität und Ausgrenzung aufzutreten und sich einem
System entgegen zu stellen, das ganz gezielt Ängste und Hass schürt, um den
eigenen Willen um jeden Preis durchzusetzen. Das dabei auch bewusst in Kauf
nimmt Menschen, die ohnedies bereits zu den Verlierer_innen unserer
Gesellschaft zählen, noch mehr auszuhungern und an den Rand dieser zu stellen. ​


Agitation gegen das Regime unter Soldaten


Ernestine Diwisch, geboren am 23.März 1921 in Wien, war Mitglied bei den Roten Falken bis diese vom austrofaschistischen Dollfuß – Regime 1934 verboten wurde. Wie so viele ehemalige Sozialdemokrat_innen schloss sie sich 1940 dem kommunistischen Jugendverband KJV an und arbeitete unter anderem in der Gruppe Soldatenrat:

„Im Gegensatz zur Offiziersverschwörung, die "fünf vor zwölf" das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 vorbereitete, war die vom Sanitätsunteroffizier Alfred Rabofsky geleitete Widerstandsorganisation "Gruppe Soldatenrat" seit 1939 unter einfachen Wehrmachtssoldaten aktiv. Am Höhepunkt des deutschen Vormarsches in der UdSSR verbreitete sie das vom Wiener Chemiestudenten Walter Kämpf entworfene Flugblatt "Hitler hat den Krieg schon verloren". Der Gruppe gehörten auch Zivilisten und Zivilistinnen an, die die Flugblätter an die Soldaten verschickten.“ (http://www.doew.at/erinnern/fotos-und-dokumente/1938-1945/lob-des-ungehorsams/nie-an-den-endsieg-geglaubt-alfred-rabofsky-walter-kaempf-und-die-widerstandsgruppe-soldatenrat​)


Das Todesurteil


Am 25.Mai 1943 wurde Ernestine Diwisch verhaftet – die meisten der kommunistischen Zellen wurden durch Spitzel und Verrat zerschlagen und zu Tode verurteilt.

Das Todesurteil wurde unter anderem damit begründet, dass Ernestine Diwisch dem Kampf um Freiheit mehr Bedeutung zumaß als ihrem Verlobten:

„Insbesondere kann bei der Angeklagten Diwisch keinesfalls bloß Beihilfe vorliegen, wie die Verteidigung geltend gemacht hat. Für die kommunistische Einstellung dieser Angeklagten und für ihr eigenes politisches Interesse an der Durchsetzung kommunistischer Ideen spricht vor allem der Umstand, dass sie sich nach ihren eigenen Angaben in der Hauptverhandlung wegen ihrer kommunistischen Tätigkeit im Jahre 1940 mit ihrem Verlobten entzweit hat. Ein junges Mädchen, das das zu Wege bringt, muss seinen politischen Ideen in ganz besonderem Maße verfallen sein. ...“

Das Regime kannte keine Gnade. Ernestine Diwisch wurde am 8.Februar 1944 im Landesgericht Wien im Alter von 23 Jahren hingerichtet.

 

 

Quellen:

https://www.univie.ac.at/biografiA/projekt/text/widerstand.htm

DÖW-Akt: 4102, 28, 18967, 19489 Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1945. Eine Dokumentation. Bd. 2, Wien 1984

 https://de.wikipedia.org/wiki/Ernestine Diwisch