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am 10. August

Die äußere Mariahilferstraße

Christian Tesar - Auf den ersten Blick geht es „nur“ um eine Straße. Wenn wir aber genauer hinschauen, geht es um das Erkennen von Potentialen. Potentiale, die den Bezirk weiterbringen und für seine Bewohner_innen lebenswerter machen können.

Die äußere Mariahilferstraße bildet auf rund eineinhalb Kilometern Länge eine der Ost-West-Achsen durch den 15. Bezirk. Einst war sie ein Teil des Wegs des Hofstaates zum Schloss Schönbrunn. Heute präsentiert sich die Straße widersprüchlich. Einerseits wäre sie wohl gern eine prachtvolle Einkaufsstraße, ähnlich ihrem Gegenstück innerhalb des Gürtels. Auf der anderen Seite ist sie schlichtweg eine Durchfahrtsstraße, im schlechtesten Sinn des Wortes. Dabei hat die äußere Mariahilferstraße das Potential zu einer echten Hauptstraße im Bezirk zu werden. Dafür gilt es, die Schwachpunkte der Straße zu erkennen und Schritt für Schritt zu beheben.

Verkehr, ein ewiger Verteilungskampf?



Die meisten Menschen bewegen sich per Straßenbahn auf der äußeren Mariahilferstraße. Die Linien 52 und 58 bzw. ab Herbst statt dem 58er die Linie 60 sind ein attraktives Angebot. Handlungsbedarf gibt es allerdings bei der Gestaltung der Haltestellen. Die meisten Straßenbahnhaltestellen sind als Inseln angelegt. Das hat zur Folge, dass speziell in den Stoßzeiten das Gedränge auf den Haltestelleninseln enorm ist. Wir denken, dass es höchste Zeit ist, die Haltestellen umzugestalten. Haltestellenkaps sind eine gute Lösung um die Sicherheit, aber auch den Komfort für die Benützer_innen von öffentlichen Verkehrsmittel zu erhöhen.

Mittels für Radfahrer_innen befahrbarer Haltestellenkaps könnte sich auch ein weiteres Problem der äußeren Mariahilferstraße, zumindest teilweise lösen lassen. Seit Jahren kritisieren wir den viel zu schmalen Mehrzweckstreifen, der hier als Radverkehrsanlage bezeichnet wird. Radfahrer_innen werden gezwungen, viel zu knapp an den parkenden Autos vorbei zu fahren, während sie gleichzeitig von Autofahrer_innen mit viel zu wenig Sicherheitsabstand überholt werden. Ein Blick auf die Radunfallkarte zeigt, dass auf der äußeren Mariahilferstraße besonders viele Dooring-Unfälle passieren. In den Haltestellenbereichen sind diese Mehrzweckstreifen dann unterbrochen, die Fahrbahn verschmälert sich und es kommt immer wieder zu Konflikten zwischen Fahrrad- und Autofahrer_innen. Eine Lösung kann es wohl nur geben, wenn der gesamte Aufbau der Radinfrastruktur neu gedacht wird.

Last but not least gibt es auch für Fußgeher_innen eine ganze Menge zu tun. Während im Bereich nahe des Gürtels die Gehsteige noch ausreichend breit sind, verändert sich die Situation je weiter es nach Westen geht. Teilweise liegt die Gehsteigbreite an bzw. unter dem Mindestmaß von zwei Metern. Jegliche Überlegung für eine Neuorganisation der Verkehrsflächen sollte bei der Infrastruktur für Fußgeher_innen beginnen. Ein besondere Herausforderung ergibt sich zusätzlich aus der Topografie im Abschnitt zwischen Sperrgasse und Würffelgasse. Der Niveauunterschied zwischen den Haus- und Geschäftseingängen und der Fahrbahn ist höchst unbefriedigend gelöst. Der Fußweg entlang der Häuser führt über viele Stufen, der Weg auf Höhe der Fahrbahn ist so schmal, dass gerade mal ein Rollstuhl oder ein Kinderwagen Platz haben. Barrierefreiheit sieht definitiv anders aus.

Impuls für den Schwendermarkt



Ein Riesenpotential birgt der Bereich beim Schwendermarkt. Die Mariahilferstraße ist hier sehr breit und bildet eine Barriere zwischen dem Markt und den Grätzeln nördlich der Straße. Eine Umgestaltung in diesem Bereich kann zwei wichtige Effekte bringen. Zum einen kann Platz für den Schwendermarkt geschaffen werden um den Markt besser an die Mariahilferstraße anzubinden. Zum anderen kann durch eine Einbeziehung des Lehnerplatzls das Zusammenwachsen der Grätzel nördlich und südlich der Straße gefördert werden.

Wir sehen, es macht Sinn sich mit der äußeren Mariahilferstraße auseinander zu setzen. Es macht Sinn, Schwachpunkte zu benennen und gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten, für die Bewohner_innen, die Wirtschaftsbetriebe und den gesamten Bezirk.​