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am 5. November 2017

Lichter der Erinnerung

Julia Nowotny - In der Nacht vom 09. auf 10. November jährt sich eines der größten Verbrechen unseres Landes zum 79. Mal. In dieser Nacht, der sogenannten Pogromnacht wurden in einem beispiellosen, blinden Hass jüdische Einrichtungen geplündert und zerstört, Menschen misshandelt und ermordet. Bis heute gilt diese Nacht als Auftakt zu Mord und Verfolgung von Millionen jüdischer Mitbürger_innen in unserem Land.

Antisemitismus? Halb so schlimm

Gerade heute hat die Erinnerung an die schrecklichen Verbrechen dieser Zeit allerhöchste Brisanz. Menschen, die ganz offen die Verbrechen der Nazizeit leugnen und verharmlosen, stehen kurz davor bei einer Regierungsbeteiligung der FPÖ Regierungsämter in unserem Land zu bekleiden. So gibt beispielsweise der oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter ganz offen zu Protokoll,
dass er nichts vom Mauthausen Komitee halte (http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/landespolitik/Luegen-Vorwurf-Mauthausen-Komitee-klagte-FP-Politiker;art383,2699475 ), nachdem dieses in der Broschüre „Lauter Einzelfälle?“  59 rechtsextreme Aktivitäten von FPÖ Politiker_innen aufgezählt hatte.
Parteiintern erhielt er dafür großen Zuspruch. Immer wieder finden sich namhafte Funktionär_innen der FPÖ auch auf einschlägigen Veranstaltungen wieder, was dann im Nachhinein grundsätzlich als Missverständnis dargestellt wird, die Verbindung zu AfD-, Front National, Vlaams Belang- Politiker_innen und ähnlichen wird grundsätzlich mehr oder weniger halbherzig dementiert. Aber auch die sogenannte  neue ÖVP lässt eine klare Abgrenzung zum Antisemitismus immer wieder schmerzlich vermissen, wie beispielsweise die Geschehnisse im Juridicum im heurigen Frühjahr beweisen (http://derstandard.at/2000057250697/Antisemitische-Postings-in-Gruppe-der-Aktionsgemeinschaft ), die nur sehr lau verurteilt wurden und namhafte ÖVP Funktionär_innen eher darum bemüht waren, Gras über die Vorfälle wachsen zu lassen, als die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Es braucht Sündenböcke

Fakt ist auch, dass wir (wahrscheinlich) eine Regierung bekommen werden, die es mit den Menschenrechten nicht ganz so ernst nimmt. Auf höchst hetzerische Weise wird gefordert, die Mittelmeerroute zu sperren, man ist stolz darauf, die Balkan-Route "geschlossen" zu haben, lauthals wird danach geschrien, den Ärmsten der Armen die Mindestsicherung zu streichen. Ohne Nachdenken nimmt man in Kauf, dass sich unsere Gesellschaft immer mehr spaltet, Feindbilder werden ganz bewusst geschaffen und bedient. Spitzenkandidaten – und hier wird ganz bewusst die männliche Schreibweise verwendet – werden als große Retter hochstilisiert, denen die Masse bedingungslos und sektenähnlich folgt.


Niemals vergessen!

All das sind Entwicklungen, die viele von uns seit Jahren fürchten und die nun aber leider Realität werden. Umso wichtiger ist es, entschieden gegen diese Entwicklungen aufzutreten, weiterhin
vehement aufzuzeigen, was Unrecht ist und sich vor allem dagegen aufzulehnen.
Und dazu ist es wichtig, uns unserer Geschichte bewusst zu sein, dieses grenzenlose Unrecht der Nazizeit nicht zu verharmlosen und vor allem nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Niemals vergessen“ hat heute eine nie dagewesene Brisanz und muss von uns allen aktiv gelebt werden. Es liegt an uns allen, Ungerechtigkeiten wahrzunehmen und den Mut zu haben, uns dagegen
aufzulehnen. Auch wenn wir uns einer schwierigen Zeit gegenübersehen und viele
von uns – berechtigte - Angst und Unsicherheit verspüren, dürfen wir nicht
aufhören, laut und sichtbar zu sein, wenn es darum geht, gegen Unrecht
aufzutreten.

Lichter der Erinnerung

Und wider dem Vergessen, treffen wir uns auch heuer wieder am 09. November um 18:30 Uhr bei der Gedenkstätte des Turnertempels (Ecke Turnergasse/ Dingelstedtgasse, 1150 Wien), um „Lichter der Erinnerung“ zu entzünden und den Opfern dieses schrecklichen Verbrechens in Ruhe und Würde
zu gedenken. Alle Menschen sind herzlich eingeladen, sich uns anzuschließen.
Bringt Kerzen und warme Kleidung mit! Setzen wir gemeinsam ein Zeichen!

Gegen Antisemitismus und für ein friedvolles Miteinander!​